Weihnachten und Amazon Wunschzettel

Es geht mit großen Schritten auf Weihnachten zu.

Die Küchen riechen nach Plätzchen und anderen Leckereien. Der Punsch dampft vor sich hin und im Fernseher laufen endlich wieder die Märchen auf die wir uns ein ganzes Jahr lang freuen.

advent-2991694_640Weihnachten ist für mich eine Zeit des „nach Hause Kommens“ man trifft Familie die man nicht so oft sieht, wie man gerne möchte. Man gönnt sich die kleinen Leckereien, die man normal auch mal ausschlägt. Man denkt an die, die einem Wichtig sind.

Dieses Jahr ist das Erste, an dem meine Schwägerin und ich beschlossen haben, dass wir uns beim Schenken auf unsere Kinder konzentrieren. Auf die Eigenen wohlgemerkt. Bei mir ist das eine logische Entscheidung. Mit meinem Mann zusammen habe ich 10 Nichten und Neffen, wenn ich hier jedem Kind etwas im Wert von 25 Euro schenke …. Das ist einfach zu viel.

Natürlich könnte ich nur  meinen Nichten und Neffen etwas schenken, aber das wäre dann auch wieder ungerecht oder?

Dadurch, dass ich eben nur meinem Kind etwas schenke habe ich nicht nur die Möglichkeit mir hier mehr Gedanken über das Geschenk zu machen, sondern kann ihr dieses Jahr vielleicht sogar zwei relativ große Wünsche erfüllen.  Anstelle vieler Kleinigkeiten bekommt sie dann etwas größeres das sie sich schon länger wünscht.

Auch wird das Weihnachtsfest eher ein gemütliches Beisammensein als ein „hektisch alle Geschenke aufreißen.“ Der Gedanke gefällt mir sehr gut. Mir gefällt es, dass man sich eben nicht nur trifft weil man „etwas davon hat“, sondern eben weil man sich gerne treffen möchte.

Im Internet ist das ähnlich. Auf Twitter gibt es einen Aufruf für Menschen die wissen, dass sie Weihnachten alleine verbringen werden und dieses gerne ändern möchten. Hier wird zwischenmenschliche Interaktion gefördert und ich finde diesen Gedanken toll.

Was es auf Twitter dieses Jahr aber auch gibt sind Amazon Wunschlisten.

Versteht mich nicht falsch, ich gehöre eigentlich zu den Menschen die gerne etwas christmas-3005516_640schenken. Ich mache mir gerne Gedanken, womit ich jemanden eine Freude machen kann. Das ist jedoch nicht an Weihnachten gebunden. Ich mache diese Kleinigkeiten das ganze Jahr.

Dieses Jahr bekomme ich auf Twitter jedoch Amazon Wunschzettel um die Ohren gehauen. Menschen die erklären, dass sie es wert sind etwas geschenkt zu bekommen posten sie immer mal wieder und während die Idee sich ausweitet und immer mehr Nachmacher findet sitze ich da und denke mir: „Ist das nicht irgendwie das modere betteln?“ und “Wenn ich ihnen jetzt nichts schenke, weil ich sie einfach nicht gut genug kenne oder aus einem anderen Grund, haben sie dann einen Rückfall? Bin ich dann Schuld?”

WENN ich dir etwas schenken will, dann mache ich das ohne dass du drölfmilionen Mal erklärst was für ein großartiger Schritt es für dich ist im Internet nach Geschenken zu rufen.

Es ist großartig, dass du deinen Selbstwert erkennst. Doch ich lasse mir nicht das Messer auf die Brust setzten. Denn die Tweets die sich lesen wie „Also wenn du mir nichts schenkst bist du ein schlechter Mensch.“ Auf die kann ich getrost verzichten.

Warum muss ich denn jetzt auf krampf jemanden den ich vielleicht noch nie getroffen habe, oder mit dem ich kaum mehr als ein paar Tweets ausgetauscht habe etwas schenken? Wohin bringt uns diese „Selbstentwicklung zu jedem Preis.“?Muss ich vielleicht jetzt jedem etwas kaufen den ich beim Becker mal begrüßt habe? Mit dem ich mal einen Abend in einem Gespräch verbracht hatte?

Warum macht ihr überhaupt euren Wert daran fest, was teilweise komplett Fremde bereit sind euch MATERIEL zu geben?

Was das in mir ausgelöst hat?

Eigentlich wollte ich dieses Jahr an liebe Twitterer/Autoren/Blogger Postkarten verschicken, aber dank dieser Listen ist mir die Lust daran gehörig vergangen. Wer freut sich denn noch über eine Postkarte, wenn er doch eigentlich ein Super Deluxe DVD Box irgendeiner Independentserie erwartet?

Von mir wird es keine Amazon Wunschlisten geben. Dieses Jahr nicht und in den nächsten Jahren auch nicht. Wenn ich etwas unbedingt haben will, dann spare ich darauf, und verzichte in der Zeit auf anderes. So wie Millionen anderer Menschen es eben auch tun.

Vor allem schaut euch doch mal um. Die am lautesten  mit ihren Listen wedeln, die am lautesten nach Geschenken schreien: Von denen kommt nichts zurück. Und so verkümmert #Weihnachten2017 leider zu einer Ego Show die wirklich keiner gebraucht hätte.

 

 

 

Bildangabe: 

Die Bilder kamen mal wieder von Pixaby

3 replies to Weihnachten und Amazon Wunschzettel

  1. Huhu,

    bei den Geschenken für die Kinder drücke ich dir die Daumen, dass sich auch alle Seiten daran halten. Nachher kommt jemand mit ‘nur einer Kleinigkeit’ für 3-5 Euro, aber die anderen Kinder kriegen nichts und werden traurig. Aber wenigstens habt ihr euch abgesprochen. In meiner Familie waren wir plötzlich die Einzigen, die nichts mehr von Tanten und Onkels bekommen haben, während meine Eltern fleißig weiter geschenkt haben. Klar, dass das der Psyche nicht sooo gut tut.

    Bei Wunschlisten stimme ich dir übrigens im Allgemeinen zu. Ich meine, wenn jemand auf seinem Blog einen Link zur Amazonwunschliste hat, finde ich das okay. Manchmal hat man einen einzelnen Blogger ja wirklich SO gern und etwas Geld übrig, dass man vielleicht doch den Wunsch hat, ihm was Gutes zu tun. Aber damit richtig hausieren zu gehen, das finde ich auch dreist. “Hallo, ich mache mein Hobby. Es macht mir Spaß. Aber das bringt auch Arbeit mit sich, also bezahl mich doch bitte indirekt.” Nee, das ist nicht mein Fall.

    Normale Wunschlisten hingegen mag ich sehr gern. Also die Aufzählung der Bücher, die man sich selbst noch kaufen will, oder die man zum Beispiel gebraucht gern ankaufen würde. Da habe ich meine auf Nachfrage auch vorgestern geteilt. Sowas ist immer gleichzeitig auch schön, um für sich selbst neue Buchwünsche zu entdecken. Dass mir jemand außerhalb der Familie etwas schenkt, erwarte ich aber generell nicht – und möchte es auch gar nicht. Das setzt einen unter Druck, man muss Gegengeschenke machen. Und da ich keinerlei Talent für gute Geschenke habe, löst das bei mir Stress und im schlimmsten Fall einen kurzzeitigen Zusammenbruch aus.

    (Erwarten die Blogger, die das machen, eigentlich nur Geschenke, oder schenken die dann auch zurück?)

    Übrigens, sollte es je dazu kommen, dass wir uns so gut kennen: Bei mir ist eine Weihnachtskarte leider auch Verschwendung. Lieb gemeint und man freut sich auch drüber, aber ich verpenne immer selbst, wem ich jetzt eine schreiben sollte und am Ende sitzt dann da jemand und verschickt viele, kriegt aber selbst keine? Das möchte ich nicht. Und da möchte ich nicht mit Schuld dran tragen, mit meiner Schusseligkeit.

    Ich freu mich einfach, wenn Menschen mit mir online kommunizieren, das ist für jemanden wie mich, der die meiste Zeit zuhause festsitzt, das schönste Geschenk. 🙂 Und kostet fast nichts.

    LG
    Taaya

    • Hallo Taaya,

      danke für deine ausführliche Antwort. Das Weihnachtsfest, an dem alle zusammen sitzen ist das Fest, an dem die Kids noch Geschenke von Oma und Opa bekommen, es wird also keiner leer ausgehen.

      In den letzten Jahren wurde das mit den Geschenken immer mehr bis die Kids leider während des Auspackens keine Freude mehr daran hatten, was sie da gerade auspackten. Es war nur noch ein “abnicken” der Geschenke und das ist wirklich schade. Mit diesem weniger Geschenke wollen wir den Fokus wieder mehr auf das Miteinander lenken.

      Es sind gar nicht so sehr die Blogger die damit hausieren gehen, es ist mir viel mehr auf Twitter aufgefallen. Der Wunschzettel gerne in Verbindung mit “mir geht es so schlecht” und ein wenig Tränendrüse und wie ich schon schrieb: Ich mache wirklich gerne jemanden eine Freude, aber es muss von mir kommen. Ich habe wenig Interesse daran, mich da reindrängen zu lassen.

      Ich verschicke übrigens keine Weihnachtskarten um welche zurück zu bekommen, sondern für den Moment, dass jemand sie öffnet und sich darüber freut eine bekommen zu haben.
      Genauso wie ich nicht möchte, dass jemand mich unter druck setzt, genauso wenig erwarte ich, dass hier “geantwortet” wird. Es soll Freude bereiten, keinen Zwang auferlegen.

      LG
      Kani

  2. Na da wird sich ein Kind dieses Jahr wohl besonders freuen <3 Mir geht es wie dir, Weihnachten ist für mich Wohlfühl-Programm mit einer Prise Verrücktheit 😉

    Was die Liste betrifft, das ist bei mir kaum wahrnehmbar – zu mindestens habe ich in meiner Timeline diese noch nicht entdeckt, nur ganz vereinzelt und ich kann das Gefühl das dadurch bei dir entsteht absolut nachvollziehen! Der Konsumgedanke, das haben-wollen, Wertschätzung über Geschenke – schade … Wenn mir jemand was schenkt weil ihm/ihr danach ist freue ich mich wahnsinnig und zeige dies auch der Welt, aber gerade von menschen auf twitter & Co. erwarte oder erhoffe ich mir nicht mal eine Karte – nicht mal von meinen Freunden erwarte ich Geschenke und ich finde das bereits mit einer kleinen Karte so viel vermittelt werden kann! Da macht sich jemand Gedanken welche es sein soll, nimmt sich die Zeit für persönliche Worte! Und selbst wenn nichts kommt, so what? Natürlich erhofft man sich von freunden & Familie eine kleine Aufmerksamkeit, ein "ich denke an dich", aber doch im Rahmen und schon gar nicht von Menschen der sozialen Kanäle

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